2020

TraumaTA

Jörg Hill macht in dem Gemäldezyklus „Traumata“, mit expressivem Duktus persönlich Erlebtes, aber auch Unglück, das in diesen Zeiten nahezu inflationär erscheint, zum Thema.

Betroffen steht der Maler vor den Unwägbarkeiten des Daseins, der in dieser oft hervorgebrachten Grausamkeit gegen die meist Schwächsten und ihres manchmal ein lebenlang währenden Nachhalls. Mit nahezu wütendem Pinselstrich, die Form suchend, schichtet Hill Farbmassen blockhaft gegeneinander, greller Farbauftrag vermengt sich mit gedämpftem, feste Formen werden von diffusen abgelöst.

In dieser Form der kreativen und eigentlich auch körperlichen Hervorbringung des Impliziten, der Verletzung, erschafft Hill im Expliziten, dem Gemälde eine Art Signet des Aushaltens. Verzerrungen, Überformungen und gewollte Brüche in den Figürlichkeiten tragen einem Eindruck der Ausweglosigkeit und der damit einhergehenden Hilflosigkeit, dieser zu entrinnen, bei.

Hill geht es dabei nicht um die Aufarbeitung von dem Leben verzerrend Erlebten, eher sucht er Methapern für die Statik des Traumas an sich, der Agonie des Unbewältigten. Derart seelisch Unbehauste mäandern durch Hills Tableaus, mal erstarrt, mal nahezu explodierend, versinnbildlichen sie die Unmöglichkeit, zu einer inneren Mitte zu finden. Hill vergisst dabei nicht, sein Augenmerk auch auf, um es mit Wolfgang Schmidbauer zu sagen, „die hilflosen Helfer“ zu lenken, in denen sich das Trauma, auch mit desaströsen Folgen, fortsetzt – nämlich der Familie.

Text: Alexander Horn

 

Sacrifice